Warum Stablecoins wie ein Katalysator wirken
Stablecoins wie Tether, USD Coin oder DAI sind in den letzten Jahren von einer Nischenidee zu einem Milliardenmarkt geworden. Über 160 Milliarden Dollar Marktwert im Jahr 2024 – das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt einiger kleiner Länder. Und sie sind längst nicht mehr nur etwas für Tech-Nerds oder Krypto-Enthusiasten. In Ländern, deren eigene Währung wie Sand durch die Finger rinnt, werden sie immer öfter als Rettungsring genutzt.
Die Studie der New Yorker Fed zeigt jetzt zum ersten Mal empirisch, wie gefährlich dieses Phänomen in einer echten Krise werden könnte. Die Forscher haben sich speziell die Wallets angeschaut, die mit ENS-Tags (so etwas wie Krypto-Adressbücher) verknüpft sind – also Konten, die vermutlich von Investoren genutzt werden, die mit Stablecoins handeln. Und was kam heraus? In Krisenwochen fließt massiv Kapital aus traditionellen Währungssystemen in diese digitalen Dollar-Ersatzwährungen. Besonders dramatisch wird es, wenn die lokale Währung eines Landes unter Druck gerät. Plötzlich suchen Anleger Schutz in Stablecoins – und das in einem Tempo, das keine Zentralbank der Welt bremsen kann.
„Stablecoins funktionieren in der Krise wie ein sicherer Hafen, ähnlich wie der US-Dollar“, sagt einer der Studienautoren. „Aber während Zentralbanken den Dollar nicht einfach abschalten können, verschwinden Gelder in Stablecoins einfach durch die Ritzen der globalen Finanzarchitektur. Und das in einem Tempo, das kaum noch zu kontrollieren ist.“
Wenn Kontrollen plötzlich wie Schweizer Käse aussehen
Das eigentliche Problem: Stablecoins untergraben gezielt die Kapitalverkehrskontrollen, mit denen viele Länder versuchen, ihre Wirtschaft in Krisenzeiten zu stabilisieren. Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Land, in dem die Währung jeden Tag an Wert verliert. Die Regierung versucht verzweifelt, den Kapitalabfluss zu bremsen – aber plötzlich können Anleger einfach Stablecoins kaufen und ihr Geld so dem Zugriff der lokalen Behörden entziehen.
Die Studie hat das mal dur
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Jetzt auf Coinbase starten →chgerechnet: Schon eine moderate Verbreitung von Stablecoins könnte die Wirksamkeit von Kapitalverkehrskontrollen um bis zu 30 Prozent reduzieren. Besonders betroffen wären Länder mit hoher Inflation oder starken Währungsabwertungen. Für ihre Bürger sind Stablecoins eine einfache, schnelle und oft günstige Alternative – und für die Zentralbanken ein Albtraum, weil sie plötzlich die Kontrolle über Geldmenge und Geldpolitik verlieren.
Aber es geht nicht nur um einzelne Länder oder Regionen. Die New Yorker Fed warnt auch vor systemischen Risiken für das gesamte Finanzsystem. Stablecoins sind zwar an traditionelle Vermögenswerte wie den US-Dollar gebunden, aber wer garantiert eigentlich, dass diese Reserven auch wirklich da sind? Die Transparenz ist oft mau, und im Ernstfall könnte sich herausstellen, dass diese „stabilen“ Währungen alles andere als sicher sind.
„Stablecoins verbreiten die Illusion von Stabilität“, sagt ein unabhängiger Krypto-Experte, der nicht an der Studie beteiligt war. „Anleger glauben, ihr Geld sei sicher geparkt – und tätigen gleichzeitig riskante Investitionen in der Realwirtschaft. Bis der Schwindel auffliegt.“
Ein Flickenteppich namens Regulierung
Trotz dieser massiven Risiken ist die Regulierung von Stablecoins international ein einziger Flickenteppich. Während die USA und die EU langsam versuchen, den Wildwuchs einzudämmen, hapert es in vielen Schwellenländern an Kapazitäten – oder schlicht am politischen Willen. In Ländern wie Argentinien oder Nigeria sind Stablecoins längst Alltag, auch wenn niemand so recht weiß, wer dahintersteht oder wie sicher diese Systeme wirklich sind.
Die New Yorker Fed fordert in ihrer Studie mehr internationale Zusammenarbeit, um die Risiken in den Griff zu bekommen. Doch die politische Realität sieht anders aus: Viele Länder fürchten, dass zu strenge Regeln Innovationen ersticken könnten. Andere haben einfach nicht die Mittel, um den Stablecoin-Markt zu überwachen. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.
Und jetzt?
Die Studie der Federal Reserve Bank von New York ist eine der ersten, die wirklich zeigt, wie Stablecoins bestehende Finanzsysteme destabilisieren können. In guten Zeiten sind sie vielleicht nützlich, aber in einer Krise könnten sie zum unkontrollierbaren Brandbeschleuniger werden.
Für Zentralbanken und Regulierer heißt das: Es ist fünf vor zwölf. Klare Regeln für Stablecoins müssen her – bevor die nächste Währungskrise sie einholt. Sonst könnte es am Ende so ausgehen, dass die nächste globale Finanzkrise nicht nur schwerer zu kontrollieren ist, sondern auch schneller und brutaler über uns hereinbricht als alles, was wir bisher erlebt haben. Und das will etwas heißen.
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