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Roter September: Fluch oder Zufall? Bitcoin und die Börse im historischen Vergleich

Team Coinnachrichten··📖 5 Min. Lesezeit·BitcoinBörseSeptember-EffektMarktperformancePortfolio-VerlusteStatistische AnalyseMarktpsychologieInvestmentstrategie
Roter September: Fluch oder Zufall? Bitcoin und die Börse im historischen Vergleich📈 Bitcoin (BTC) Kurs ansehen
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten September als Privatinvestor. Der Markt war gnadenlos – wie jedes Jahr. Plötzlich hatte ich das Gefühl, als würde der Markt nur darauf warten, dass ich endlich meine Gewinne mitnehme. Und tatsächlich: Mein Portfolio sah aus, als hätte ein Bär es mit voller Wucht bearbeitet.
Doch was steckt wirklich hinter dem „Roten September“? Ist es wirklich ein Fluch, oder einfach nur eine statistische Laune, die irgendwann kippt? Ich habe mir die Daten angeschaut, mich durch Psychologie- und Marktstudien gewühlt – und dabei etwas Interessantes entdeckt: Der September ist nicht einfach nur ein schlechter Monat. Er ist wie ein unberechenbarer Gast auf einer Party, der plötzlich die Stimmung kippt, obwohl alle anderen eigentlich feiern wollen.
Die Zahlen lügen nicht – aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte
Wenn wir uns die Bitcoin-Daten seit 2011 ansehen, ist der September tatsächlich kein freundlicher Monat. In acht der letzten 13 Jahre hat die Kryptowährung Federn lassen müssen – besonders schlimm war es 2014 (–20%), 2017 (–15%) und 2018 (–17%). Selbst in einem Bullenmarkt wie 2017, als Bitcoin im Jahresverlauf um über 1.000% zulegte, gab es im September einen deutlichen Einbruch.
Aber Bitcoin ist nicht allein. Der S&P 500, der große Bruder der US-Aktienmärkte, hat seit 1928 in 40 von 95 September-Monaten Verluste eingefahren. Und die durchschnittliche Rendite lag mit 0,6% deutlich unter dem Jahresdurchschnitt von etwa 0,8%. Historisch gesehen ist der September damit der schwächste Monat für Aktien – noch vor dem Oktober, der zwar mit Crashs wie 1929 oder 1987 in Verbindung gebracht wird, aber im Schnitt sogar etwas besser abschneidet.
Warum ausgerechnet der September? Es hat mit uns zu tun
Die Zahlen sind klar, aber die Gründe dahinter sind weitaus interessanter. Ein großer Faktor ist die Psychologie. Nach einem oft starken ersten Halbjahr und einem volatilen Sommer kommt es im September häufig zu Gewinnmitnahmen. Investoren nutzen den Monat, um ihre Portfolios neu auszurichten oder liquide Mittel für anstehende Ausgaben wie Schulgebühren oder Weihnachtsgeschenke bereitzustellen. Das führt zu einem erhöhten Verkaufsdruck – besonders in illiquiden Märkten wie Kryptowährungen, wo große Orders schnell zu starken Kursverlusten führen können.
Ein weiterer Punkt ist die Liquidität. Im September fließt traditionell weniger Geld in die Märkte, weil viele Marktteilnehmer im Urlaub sind oder sich auf das vierte Quartal vorbereiten. Das bedeutet: dünnere Orderbücher, in denen große Verkaufsorders stärkere Kursbewegungen auslösen. Zudem müssen institutionelle Investoren ihre Quartalsberichte vorbereit

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en – ein Faktor, der sowohl den Aktien- als auch den Kryptomarkt belastet.
2023: Ein Ausreißer oder der Beginn eines neuen Musters?
Doch selbst dieser Ausbruch war kein vollständiger Bruch des Musters: Denn bereits im Oktober 2023 folgte eine Korrektur. Die Frage ist: Handelt es sich um ein temporäres Phänomen oder hat sich das Marktumfeld nachhaltig verändert? Vielleicht liegt die Antwort in der wachsenden institutionellen Nachfrage nach Bitcoin. Immer mehr Fonds und Unternehmen integrieren Kryptowährungen in ihre Portfolios – was zu einer stärkeren Stabilisierung führt. Gleichzeitig ist die Korrelation zwischen Bitcoin und Aktienmärkten in den letzten Jahren gestiegen. Krypto wird zunehmend als „Risk-On“-Asset wahrgenommen.
Was bringt der September 2024?
Die Vorzeichen für den kommenden September sind gemischt. Auf der einen Seite steht Bitcoin kurz vor dem nächsten Halving-Ereignis im April 2024, das historisch oft zu Kursanstiegen in den Monaten davor geführt hat. Auf der anderen Seite belasten makroökonomische Unsicherheiten wie die Zinspolitik der US-Notenbank Fed und geopolitische Spannungen die Märkte.
Sollte die Fed die Zinsen weiter erhöhen, könnte dies sowohl Aktien als auch Kryptowährungen unter Druck setzen. Ein weiteres Risiko ist die Liquidität: Wenn große Marktteilnehmer im September Positionen abbauen, könnte das zu verstärkten Verkäufen führen – ein Effekt, der besonders in Kryptomärkten schnell eskalieren kann.
Aber es gibt auch Chancen. Sollte die Inflation weiter sinken und die Fed eine dovishere Haltung einnehmen, könnten risikoreiche Assets wie Bitcoin und Tech-Aktien wieder an Fahrt aufnehmen.
Der „Rote September“ – Fluch oder nur ein Schatten?
Der „Rote September“ ist kein unumstößliches Gesetz, sondern ein wiederkehrendes Muster, das Investoren nicht ignorieren sollten. Die historischen Daten zeigen, dass der Monat für beide Asset-Klassen – Kryptowährungen und Aktien – ein Risiko darstellt. Doch wie 2023 bewiesen hat, kann sich die Dynamik ändern.
Für Anleger bedeutet das: Vorsicht ist geboten, aber Panik unangebracht. Der September sollte als monatliche Herausforderung betrachtet werden – nicht als unausweichliches Schicksal. Wer seine Positionen strategisch steuert und auf mögliche Ausbrüche aus dem Muster vorbereitet ist, kann auch in diesem „verfluchten“ Monat erfolgreich sein.
Letztlich ist der „Rote September“ weniger ein Fluch als vielmehr eine Erinnerung daran, dass Finanzmärkte von Psychologie, Liquidität und makroökonomischen Faktoren geprägt sind – und dass Geschichte sich zwar wiederholt, aber nie exakt gleich. Und manchmal reicht schon ein kleiner Funke, um das ganze Muster zu durchbrechen.

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