Coin Metrics hat es auf den Punkt gebracht: 95,2 Prozent der Einnahmen von Circle stammen aus den Zinsen, die Circle auf die Reserven hinter dem USDC kassiert. Das sind 220 Millionen Dollar von insgesamt 231 Millionen Dollar Umsatz. Nur 11 Millionen stammen aus anderen Quellen wie Transaktionsgebühren. Das ist, als würde ein Bäcker 95 Prozent seines Umsatzes mit dem Verkauf von Mehl machen – und auf alles andere könnte er morgen verzichten.
USDC – der unangefochtene Riese mit wackeligen Beinen
Seit seiner Neuemission 2021 ist der USDC der unangefochtene Star unter den Stablecoins. Er ist die Brücke zwischen der traditionellen Finanzwelt und der dezentralen Krypto-Wirtschaft. Ob für institutionelle Investoren, DeFi-Protokolle oder den täglichen Handel – der USDC ist überall. Doch hinter diesem Erfolg verbirgt sich eine tickende Zeitbombe.
Laut Coin Metrics hat Circle zwar ein riesiges Transaktionsvolumen zu verzeichnen, aber der Löwenanteil der Einnahmen kommt aus einer einzigen Quelle: den Zinsen auf die Reserven. Die Zinsen sind wie ein stetiger Geldregen – solange sie fließen. Doch was passiert, wenn dieser Regen nachlässt? Die US-Notenbank Fed hat bereits im Juni 2024 die Zinsen gesenkt, und weitere Senkungen sind wahrscheinlich. Wenn die Zinsen sinken, sinken auch die Einnahmen von Circle. Das ist kein Szenario in weiter Ferne – es ist eine reale Gefahr, die schon bald Realität werden könnte.
Das Problem: Viel Volumen, wenig Substanz
Die 32 Billionen Dollar Transaktionsvolumen klingen beeindruckend, aber wie viel davon ist wirklich echte wirtschaftliche Aktivität? Coin Metrics spricht von „Marktinstallationen“ – also Geschäften, die vor allem dazu dienen, das Volumen künstlich aufzublähen. Ein großer Teil des USDC-Handels ist Arbitrage oder Marktmanipulation. Das bedeutet, dass hinter diesen Zahlen nicht unbedingt echte Nutzer stehen, die den USDC für Zahlungen ode
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Stellen Sie sich vor, Sie betreiben ein Café. Die Hälfte Ihrer Gäste bestellt jeden Tag nur einen Kaffee, geht aber zehnmal durch die Tür, weil sie eigentlich nur die Toilette benutzen wollen. Das steigert zwar Ihre Besucherzahlen, aber nicht Ihren Umsatz. Genau das passiert hier: Der USDC wird intensiv gehandelt, aber ein großer Teil dieser Aktivitäten generiert keine echten Einnahmen für Circle.
Die Zukunft von Circle: Diversifizieren oder untergehen?
Experten raten Circle dringend, sein Portfolio zu diversifizieren. Mögliche Schritte wären:
- Höhere Transaktionsgebühren: Aber Vorsicht – zu hohe Gebühren könnten Nutzer und Partner vertreiben.
- Neue Dienstleistungen: Circle könnte in Bereiche wie Kreditvergabe oder DeFi-Integrationen expandieren.
- Investitionen in andere Einnahmequellen: Staking oder tokenisierte Assets könnten zusätzliche Einnahmequellen eröffnen.
Doch all diese Schritte sind leichter gesagt als getan. Sie erfordern Zeit, Geld und vor allem Vertrauen – sowohl bei den Nutzern als auch bei den Investoren. Und Zeit ist etwas, was Circle möglicherweise nicht im Überfluss hat.
Ein Geschäftsmodell am Scheideweg
Circicles Situation erinnert mich an eine Geschichte aus der realen Welt. Stellen Sie sich vor, ein mächtiger Tech-Konzern wäre zu 95 Prozent von einem einzigen Produkt abhängig. Ein Produkt, das zwar erfolgreich ist, aber dessen Erfolg von äußeren Faktoren abhängt, die er nicht kontrollieren kann. So etwas gibt es – und es endet selten gut.
Für Investoren und Nutzer des USDC ist das eine ernste Warnung. Ein Stablecoin ist nur so stark wie das Unternehmen dahinter. Und wenn dieses Unternehmen seine Erträge nicht breit aufstellt, könnte selbst der erfolgreichste Stablecoin der Welt schnell ins Wanken geraten. Die Frage ist nicht, ob Circle diversifizieren kann, sondern ob es das rechtzeitig schafft – bevor die Zinsen weiter sinken und die Einnahmen versiegen.
Eines ist sicher: Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, ob Circle sein Geschäftsmodell anpassen kann oder ob es zum Opfer seiner eigenen Erfolgszahlen wird. Ich persönlich würde mir wünschen, dass sie den richtigen Weg finden – denn der USDC ist ein wichtiger Teil des Krypto-Ökosystems. Und wir alle würden ihn vermissen, wenn er eines Tages einfach verschwindet.
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